Pascal Zagarolo

Fallstudie

uRent: eine Vermietplattform, die Geld bewegt und Prüfungen übersteht.

uRent ist eine B2B-SaaS-Suite für gewerbliche Fahrzeugvermieter — Marktplatz, Betriebssoftware, White-Label-Shop und eine App für iOS und Android. Ich habe sie 2023 gegründet, entworfen, gebaut und betreibe sie seitdem. Diese Seite beschreibt die drei Entscheidungen, die den Ausschlag gaben, und was sie gekostet haben.

Rolle
Gründer, Architekt und einziger Entwickler
Zeitraum
seit 10/2023, laufend
Status
produktiv, mit zahlenden Geschäftskunden
Umfang
Marktplatz, Fleet OS, White-Label-Shop, Mobile-App
Startseite des uRent-Marktplatzes mit Suchmaske für Ort, Fahrzeugtyp und Zeitraum
Der Marktplatz — Buchung, Zahlung und Chat in Produktion
Fleet-OS-Produktseite mit einer Live-Buchung von der Anfrage bis zum DATEV-Export
Fleet OS — von der Anfrage bis zum DATEV-Export in einem Durchlauf

Die Ausgangslage

Ein gewerblicher Fahrzeugvermieter führt seinen Betrieb typischerweise über ein halbes Dutzend Werkzeuge, die nichts voneinander wissen: Verfügbarkeiten in Excel, Mietverträge in Word, Kautionen per Überweisung, Schäden als Fotos im Messenger, Belege im Schuhkarton für den Steuerberater. Der Leerstand eines Fahrzeugs fällt erst beim Monatsabschluss auf — also dann, wenn er nicht mehr zu ändern ist.

Die vorhandene Branchensoftware löst Teile davon, ist aber auf Flotten ab einer gewissen Größe zugeschnitten und entsprechend bepreist. Für einen Vermieter mit dreißig Fahrzeugen bleibt der Flickenteppich die wirtschaftlich rationale Entscheidung — bis der erste Betriebsprüfer nach einem GoBD-konformen Journal fragt.

Der Kern des Problems ist nicht die Verwaltung, sondern der Geldfluss: Zwischen Mieter, Vermieter und Plattform bewegen sich Mietzahlungen, Kautionen und Auszahlungen. Wer das automatisieren will, landet unmittelbar in Zahlungsrecht, Identitätsprüfung und Buchhaltungspflichten. Genau dort geben die meisten Lösungen auf und schieben es zurück auf den Vermieter.

Drei Entscheidungen

Die Plattform steht und fällt mit drei Architekturentscheidungen. Jede hatte einen Preis, und jede war gegen eine bequemere Alternative zu verteidigen.

Stripe Connect mit Mandantenfähigkeit von Tag eins

Problem
Wenn ein Mieter zahlt, gehört das Geld nicht der Plattform, sondern dem Vermieter. Jede Auszahlung braucht eine geprüfte Identität, ein Konto und eine Spur, die auch Monate später nachvollziehbar ist. Der bequeme Weg wäre gewesen, alles über ein Plattformkonto laufen zu lassen und manuell weiterzuüberweisen.
Entscheidung
Stripe Connect als Marktplatzmodell, ein verbundenes Konto pro Vermieter, native Identitätsprüfung, Zwei-Faktor-Anmeldung und ein Rechtemodell, über das auch externe Anwendungen mit abgestuften Berechtigungen zugreifen können. Mandantentrennung nicht als späterer Umbau, sondern als Grundriss.
Wirkung
Ein neuer Vermieter kommt an Bord, ohne dass irgendjemand die Zahlungsabwicklung für ihn einrichtet. Das ist der Unterschied zwischen einer Plattform, die wächst, und einer, die mit jedem Kunden mehr Handarbeit erzeugt.

Buchhaltung, die ein Steuerberater akzeptiert

Problem
Rechnungen zu erzeugen ist einfach. Ein Buchungsweg, der einer Prüfung standhält, ist es nicht: Er braucht einen vollständigen Rechnungslebenslauf, Formate, die die Gegenseite einlesen kann, Lastschriften samt Rückläufern, Mahnwesen, Teilzahlungen — und ein Protokoll, dem man ansieht, dass nachträglich nichts verändert wurde.
Entscheidung
Ein eigenes Buchhaltungsmodul statt einer Fremdanbindung: Rechnungslebenslauf, ZUGFeRD- und XRechnung-Export, SEPA-Lastschrift nach pain.008 inklusive Rücklastschriften, Mahnwesen, Teilzahlung und ein manipulationssicheres Prüfprotokoll. Export im DATEV-Format.
Wirkung
Der Vermieter braucht keinen zweiten Buchhaltungs-Stack, und sein Steuerberater bekommt, was er erwartet. Das ist im Vertrieb das Argument, das den Wechsel auslöst — nicht die Oberfläche.

Eine Empfehlung, die man nachrechnen kann

Problem
Ein Vermieter will wissen, welches Fahrzeug er als Nächstes anfassen soll. Ein trainiertes Modell hätte darauf eine Antwort, aber keine Begründung — und eine Empfehlung, der man nicht ansieht, warum sie zustande kam, wird im Tagesgeschäft ignoriert.
Entscheidung
Eine offengelegte Prioritätsformel: Wirkung in Euro mal Zuversicht, geteilt durch Aufwand. Dazu ein Auswerter, der die Vorhersage nachträglich gegen das tatsächliche Ergebnis hält und die Zuversicht zurückspeist.
Wirkung
Die Empfehlung ist erklärbar und wird dadurch benutzt. Und weil Vorhersage und Ergebnis gegeneinander laufen, wird sie messbar besser statt nur plausibler.

Was das gekostet hat

Jede dieser Entscheidungen hat eine Kehrseite. Sie hier zu verschweigen wäre der schnellste Weg, die Fallstudie unglaubwürdig zu machen.

Was daraus wurde

uRent läuft seit 2023 produktiv. Auf der Plattform sind über 1.000 Fahrzeuge von mehr als 150 Vermietern; Fleet OS bündelt 23 Module in einem Arbeitsbereich und ist seit 05/2026 im Pilotbetrieb mit fest vergebenen Plätzen. Die Cross-Plattform-App für iOS und Android ist im App Store veröffentlicht.

Wichtiger als die Zahlen ist der Betriebszustand: Die Plattform bewegt echtes Geld zwischen Dritten, erzeugt steuerlich verwertbare Belege und wird von Betrieben genutzt, deren Tagesgeschäft davon abhängt. Fehler sind hier nicht kosmetisch.

verwaltete Kundenfahrzeuge
2.200+verwaltete Kundenfahrzeuge
registrierte Geschäftsnutzer
400+registrierte Geschäftsnutzer
Module in einem Workspace
23Module in einem Workspace
Google, 8 Bewertungen
5,0 ★Google, 8 Bewertungen

Eingesetzt

Frontend
TypeScript, React, Next.js (App Router), React Native, Tailwind CSS
Backend
Node.js, Python, REST APIs, Webhooks, separat deploybare Microservices
Daten
PostgreSQL, Supabase, Drizzle ORM, Multi-Tenancy, eventgetriebene Workflows, Real-time
Zahlungen
Stripe Connect, Subscriptions, Stripe Tax, SEPA-Lastschrift (pain.008), Rücklastschriften
Compliance
DSGVO, GoBD, DATEV EXTF, ZUGFeRD, XRechnung, Audit-Logging
Telematik
OBD2-Anbindungen an Webfleet, Samsara und Vimcar
Betrieb
Docker, GitHub Actions, CI/CD, Vercel, Azure, Sentry

Was davon in ein Mandat übergeht

Für ein Projekt im Vermiet-, Flotten- oder Mobilitätsumfeld bringe ich nicht Bereitschaft mit, sondern erledigte Arbeit:

Passt das zu Ihrem Projekt?

Ich bin ab sofort für drei bis fünf Tage pro Woche verfügbar, remote deutschlandweit, gelegentlich vor Ort in NRW. Fünfzehn Minuten reichen, um zu klären, ob es passt.

Zurück zur Startseite